Quelle: www.devigier.ch
William A. de Vigier – Unternehmer, Vorbild und Förderer
Am 10. Dezember 2003 verstarb William A. de Vigier im Alter von fast 92 Jahren.
Seine grossen Leistungen als Förderer des Jungunternehmertums in der Schweiz bleiben in dankbarer Erinnerung. Nach dem Willen ihres Gründers setzt die 1987 ins Leben gerufene W. A. de Vigier Stiftung ihre Tätigkeit fort.
Statt Geld vom Vater eine Idee im Kopf
William A. de Vigier, den alle «Bill» riefen, wusste aus eigener Erfahrung, wie viel eine finanzielle Starthilfe für initiative und innovative Jungunternehmer bedeutet. 1912 geboren und aufgewachsen in gutem Haus in Solothurn, absolvierte er nach dem Internat eine kaufmännische Lehre bei der Von Roll in der Klus und arbeitete dann bei der Scintilla in Zuchwil SO. Das war nicht nach dem Wunsch des Vaters; der Familientradition entsprechend hätte der junge de Vigier Rechtsanwalt werden sollen. Doch dazu hatte Bill keine Lust. Ihn zog es vielmehr ins Ausland, und davon brachte ihn auch die väterliche Drohung nicht ab: «Dann wirst Du von mir keinen Rappen mehr bekommen.»
So fand sich der 24-Jährige bald darauf in London, mit gerade knapp tausend Franken im Sack, dafür aber mit einer Idee im Kopf: flexible Teile für Baugerüste.
Von drei auf zehntausend Mitarbeiter
Mit der finanziellen Hilfe eines englischen Anwalts gründete de Vigier seine erste Firma, die «Acrow Engineers Ltd»; ein bescheidenes Unternehmen mit drei Mitarbeitern in einer noch bescheideneren kleinen Werkstatt unter einer Eisenbahnbrücke in London. Hier entwickelte er das erste Produkt «The famous Acrow Prop», ein Baugerüst aus Metall – und ein Verkaufshit während Jahrzehnten.
Rasch wurde aus dem Kleinunternehmen eine ansehnliche, an der Londoner Börse kotierte Firma. Nicht nur die Schweiz, auch England wurde dem initiativen Unternehmer de Vigier zu eng. In den USA wurde «Acrow Corp of America» gegründet. Es folgten «Acrow Argentina», «Acrow Peru», «Acrow Rhodesia», «Acrow Iraq», «Acrow South Africa», «Acrow Canada», «Acrow Egypt», «Acrow Spain», «Acrow India», «Acrow New Zealand», usw..
Auf dem Höhepunkt seiner unternehmerischen Tätigkeit führte de Vigier einen globalen Stahlkonzern mit über 10’000 Beschäftigten und sass in drei Dutzend Verwaltungsräten, so zum Beispiel auch im Verwaltungsrat der British Airways.
Weltweite Anerkennungen
De Vigiers Erfolge wurden in verschiedenen Ländern anerkannt, sogar vom englischen Königshaus. Als einer der erfolgreichsten ausländischen Unternehmer Grossbritanniens wurde er von Queen Elisabeth II. 1978 zum «Commander of the British Empire» ernannt. Im Weiteren erhielt er den Ehrentitel eines «Chevalier du Grand Ordre Suédois Nordstern», sowie «Grand Commander of Star of Africa» (Liberia).
Auch in der Heimat durfte de Vigier eine grosse Ehrung erfahren: Der Kanton Solothurn verlieh dem 89-Jährigen den «Solothurner Unternehmerpreis 2001» – «für sein unternehmerisches Lebenswerk und als Anerkennung für den Willen, die Früchte seines unternehmerischen Erfolgs zu teilen mit jungen, ideenreichen Menschen».
Grosszügig gegenüber Fähigen und Willigen
«Die Schweiz braucht Jungunternehmer. Darin liegt die Zukunft.» Davon war de Vigier felsenfest überzeugt. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass es schwierig ist, ein junges Unternehmen auf die Beine zu stellen. Diese Erkenntnis wurde 1987 zur Initialzündung für die W. A. de Vigier Stiftung zur Förderung der Schweizer Jungunternehmer, die weit über die nationalen Grenzen bekannt wurde.
Keine andere vergleichbare Auszeichnung in der Schweiz ist so angesehen und mit so viel Geld dotiert – mit jährlich bis zu fünf mal 100’000 Schweizerfranken – wie der Förderpreis aus Solothurn für innovative Geschäftsideen. Inzwischen arbeitet unter anderem auch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (KTI Start-Up) bei der Förderung von Jungunternehmen mit der W.A. de Vigier Stiftung zusammen.
Die Statistik belegt die Qualität der Arbeit. Bis heute konnten 51 Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer ausgezeichnet werden und dank den grosszügigen Zuwendungen des Stifters das harte, herausfordernde, riskante, aber sehr spannende Leben eines Unternehmers starten. 36 behaupten sich weiterhin am Markt. Zum Stolz von Moritz Suter, Crossair-Gründer und seit 1999 Präsident der W. A. de Vigier Stiftung: «Das ist im Vergleich zur insgesamt grossen Zahl von Jungunternehmen, die auf den Markt kommen und nach kurzer Zeit kapitulieren, ein tolles Resultat.» Es gibt jedoch noch mehr Grund zur Freude: Fünf Preisträger haben nachträglich den Innovationspreis des «Wallstreet Journal Europe» erhalten.
Der Heimat eng verbunden – Spuren eines aussergewöhnlichen Menschen
Vertrauen, Treue und Loyalität, dies sind drei Qualitäten, die de Vigier immer sehr zu schätzen wusste. Er war Forderer und Förderer zugleich. Auch grosszügig mit den Willigen und Erfolgreichen. Zu den weniger Effizienten sagte er manchmal ermutigend: «God gave you a brain – use it.»
Seine Kontaktfreudigkeit, seine Herzlichkeit, seine respektvolle Haltung gegenüber allen Mitmenschen, unabhängig ob Direktor oder einfacher Arbeiter, prägten seine Persönlichkeit. Gerne sprach er mit dem Taxichauffeur in New York, mit der Verkäuferin in einer Pariser Bijouterie oder mit seinem Metzger in Solothurn. Er war stets am Leben anderer interessiert.
Immer in der weiten Welt unterwegs, hatte de Vigier seine solothurnischen Wurzeln nicht vergessen. Unter anderem, verbrachte er den Sommer immer im Schloss Sommerhaus in Solothurn. Kanton und Stadt waren immer Gesprächsthema während seiner Telefonate aus dem Ausland.
Als Mäzen und waschechter Solothurner setzte sich de Vigier auch vom Ausland aus für heimatliche Anliegen ein. Vom Vater hatte er seine Liebe zur Stadtmusik geerbt. Ihr vermachte er 2001 eine Million Schweizerfranken mit der Auflage, einen Teil der Summe für einen Musikwettbewerb einzusetzen. Dank seiner Verbundenheit konnte die Neuuniformierung finanziert werden. Jährlich im Herbst kommt die Stadt Solothurn in den Genuss einer «Marching Parade». Auch für die Restaurierung der Harnischsammlung im alten Zeughaus wurden Mittel bereit gestellt. Dank seiner grosszügigen Schenkung steht auch das Sommerhaus langfristig der Öffentlichkeit zur Verfügung.
In Solothurn nahm William A. de Vigier schliesslich auch Abschied von der Welt, die ihm viel zu verdanken hat.
Solothurn, 19. Juni 2008
weitere Informationen zur W.A. de Vigier-Stiftung unter:
www.devigier.ch